MAD MEDLEY

Du hattest es geschafft. Nachdem du eine ganze Nacht durchgeschaukelt worden warst und voller Enthusiasmus auf das Gelände zugesteuert warst, musstest du beim Anblick der entmutigend langen Schlange erstmal einsehen: Hier wohne ich jetzt. Diese Schlange ist mein neues Zuhause. Doch auch das ging vorbei. Schneller, weil du nachhalfst.
Schließlich kamst du mit deiner Crew hinein. Wow, es war noch größer und beeindruckender als es die anderen beschrieben hatten. Los gehts. Erstmal ballern, denn alles war verfügbar. Der lang ausgetüftelte Plan, wie das Programm am inspirierendsten und effizientesten zu durchwandern, nein, zu durchfliegen wäre, verlor sich bald in einem dauerhaften Zwielicht aus rauf, runter und darüber hinaus. Aber egal, du warst angekommen.

All das hattest du durchgestanden. Und jetzt das: Nach Tagen des aufgeputschten und wieder niedergedrückten, surrealen Durchtanzens zu einem Sound, den du vor drei Tagen noch garnicht kanntest, ist es nun vorbei. Plötzlich ist da nur noch Stille auf deiner Bühne. Nicht nur auf deiner… Die Massen ziehen langsam ab. Ist dies das Ende?
Aber für dich ist es noch nicht Zeit heimzugehen. Es muss doch noch was gehen. Irgendwas, egal was. Hauptsache Sound. Da! Da ist noch ein Wummern und ein Biepen zu vernehmen. Und eine Stimme. Eine Stimme, die dich zu diesem ungreifbaren und unbegreiflichen Klang volltextet. Du gehst hin. Du hörst es dir an. Und alles was du dir nach Tagen der Pein, des Raubbaus am eigenen Körper, in dem du deine geistige Gesundheit aufs Spiel gesetzt hast, denken kannst ist:
Wo bin ich denn hier gelandet?!
Aber du lässt dich mitreißen von Klang und Stimme in eine Sphäre, die du dir nicht ausgesucht hast, aber der du dich auch nicht erwehren kannst. Und alles verschwimmt. Und alles passiert wie von selbst. Und du bist nur noch in der beobachtenden Rolle und…

Und du erwachst. War es real?
Egal.
Und das Spiel geht von Neuem los.

Pulverritt

Unerträglicher Lärm. Er hallt von den Wänden wider bis die Ohren schmerzen. In den bunkerartigen, Peer-Gynt’schen Räumen ist kaum Licht. Trotzdem lassen sich die zu starren Fratzen verzerrten Gesichter gerade noch erkennen. Es ist so als wären die Züge der Menschen hier in unterschiedlichen Emotionen festgefroren. Und wen wundert’s: Es ist richtig kalt. Draußen, so hört man, warte bereits die Sonne. Aber nein. Unmöglich. Ihr Licht würde unsere Augen verbrennen! Es gibt kein Hinaus. Immer wieder und wieder und immer wieder drängt es uns in die kalten Kellerräume zurück.

Aber dennoch. Ein kleines Wunder geschieht in diesen infernalen Hallen. Obwohl man nicht einmal die eigenen Gedanken durch das wummernde Hämmern hindurch ergreifen kann, entsteht ein Gespräch. Ein Austausch.
Begeisterung.
Schierer Enthusiasmus auf allen Seiten.

Ja, ja … lass es uns tun!
Verlassen wir diesen Ort und werden etwas … intimer. Meine Stimme ganz nah an deinem Ohr. Du reagierst auf meinen Rhythmus. Ich auf deinen. Und ja, wir sind nicht nur zu zweit. Zu viert bringen wir unsere Wesenheiten in sync.

Ich, die latente Leitente. Ihr meine kreativen Küken. Und ihr folgt mir Stufe für Stufe heraus aus dem auswegslosen Kerker in das radiophonische Paradies.
Hört hier das Ergebnis einer ver-hang-nisvollen Begegnung.

Eine drogenverherrlichende Konzeptsendung mit einer Prise Sozialkritik.

download
https://www.freie-radios.net/140139